15
Jun
2011

Polar-Produktion: Tageslicht ist kostbar!

Exotische Drehorte sind einer der interessanten Vorteile, wenn man den Kunden überzeugt hat, genau dort einen Film zu produzieren. Aber nicht „weil’s schee“ macht, sondern weil sonst die geplante Story einfach nicht funktionieren würde. Für unser Projekt bedeutete dies: was tun, wenn massenhaft Schnee her muss, mitten im verregneten, grauen bayerischen November?

Mögliche Lösung, die auch ab und zu mal funktioniert: Im Studio nebenan schnell eine weihnachtliche, mit Schnee überzuckerte Landschaft erschaffen! Das ist nicht unmöglich, aber in diesem Fall unmöglich teuer.

Da war es einfacher, praktischer und tatsächlich kostengünstiger im November nach Lappland zu fliegen. Direktflug gab es nicht: München-Helsinki, am Airport übernachten, am nächsten Tag gings weiter in den Norden Finnlands. Wirklich weit, weit oben – Murmansk ist sozusagen, nachbarschaftlich gesehen, gleich nebenan.

Ungewohnt war schon die Zwischenlandung im hohen Norden: Da dreht der Flieger einfach mit Vollbremsung auf der Landebahn um, sozusagen ein schlitternder U-Turn, aus der Lande- wurde so die Startbahn. Mein Kameramann und ich sowie die restlichen fünf Passagiere flogen nochmals 20 min weiter. Niedrig, sehr niedrig über die wirklich wunderschöne Landschaft. Städte, Dörfer – Fehlanzeige in Lappi. Zwei Holzhäuser sind schon ein Dorf und das gibt es nur alle 50-100 km. Dank des Skitourismus‘ ist Lappland aber doch teilweise gut erschlossen. Hier trainierten während unserer Drehzeit u.a. die Biathleten aus Österreich.

Unsere größte Sorge: Wehe, wenn bei minus 25 Grad die Kamera einfriert! Wir drehten auf der Canon 5D mit LCD Monitor und mussten mit Heiztasche und extra vielen Akkus, die immer erst aufgewärmt wurden, der Kälte trotzen. Der Monitor fror nach vier Minuten ein – es wurde also spannend für uns, „auf Verdacht“ zu drehen. Mit Handschuhen ein Stativ aufbauen, Verschraubungen lösen? Unser Kameraassistent aus Helsinki gab es bald auf und arbeitete ohne – jedoch fror schon mal seine Handfläche am Metallstativ an.

Das Zweitwichtigste? TAGESLICHT – im November hatten wir maximal fünf Stunden Helligkeit. Die Sonne ging gegen 9 Uhr auf und gegen 14 Uhr unter.  Bei zwei Tagen Drehzeit hieß das: minutengenaue Shotlist. Daher mussten wir vor Sonnenaufgang aufbauen, um gleich mit der ersten, vagen Helligkeit drehbereit zu sein.

Auch nicht unwichtig: Wenn die Kleidung eben nicht minus 25-30 Grad abhält, kann auch der obligatorische finnische Saunagang die Erkältung nicht verhindern. Insbesondere die Füße froren uns ein – trotz dicker Winter-Stiefel und einer Styroporplatte am Boden.