05
Jul
2011

Das universelle Videoformat für Schnelle in 2011

Das Videoencoding ist ein Segen. Kinotaugliche Filmqualität kann heute von Hinz und Kunz über breitflächig verfügbare DSL-Leitungen verteilt werden. Über Mobilfunknetze ist DVD-Qualität möglich. Doch wer Videos encodiert, muss auch viel fluchen, weil die Wahl des optimalen Videoformates alles andere als leicht fällt.

SchnelleFormatMausJede Gerätekategorie, jedes Betriebssystem, jeder Browser und jede Leitungsqualität verlangen – für die beste erreichbare Qualität und eine unkomplizierte Wiedergabe – eine eigene Videodatei. Und sowohl bei Desktop- als auch bei Mobilplattformen ist die Veränderung ein Dauerzustand. In der Desktop-Welt war in den letzten Jahren zwar der Adobe Flashplayer ein dankbar angenommenes Stück Kontinuität für die problemfreie Videowiedergabe. Bis Steve Jobs mit dem iPad in der Hand der Welt erklärte, dass es den Flashplayer nicht mehr braucht und er damit die Hüter der Mobilplattformen ebenso wie die der Desktop-Videowelt aufschreckte.

Wer ein Video online stellen möchte, kann das Videoencoding und -streaming viele Jahre studieren und intensiv praktizieren und lernt trotzdem ständig dazu. Es braucht Geduld, leistungsstarke Encoderhardware und viele Wiedergabegeräte, um mit noch mehr Tests den optimalen Weg zu finden, damit das Video-Material bestmöglich vor den kritischen Augen des Auftraggebers besteht. Die Themenfelder Download vs. Streaming, SEO- und Analyse-Optimierung sind da noch außen vor.

Die Menge der verfügbaren Mediencontainer-Formate (Quicktime/MP4, FLV, Windows Media, Ogg, etc), die Auswahl an A/V-Codecs (H.264, VP6, WebM, Theora, AAC, MP3, etc.) sowie die vielen Einstelloptionen und Optimierungsalgorithmen machen das Thema komplex und teilweise gar hochgradig emotional. Denn zum Technologie-Baukasten gesellt sich eine Debatte über verschiedenen Philosophien zur Videowiedergabe, die vor allem zwei Pole kennt: Adobe (old-school mit Browser-Plugin) und Apple (HTML5 Video in modernen Browsern). Als dritte Option gibt es Apps, die dem Browser als Webfrontend in der Mobilwelt starke Konkurrenz machen. Mit animiertem Interaktionsdesign, kurzen Antwortzeiten und vielen weiteren Usability-Vorteilen können sie überzeugen.

Dem Medienproduzenten bleibt die Frage, wie man in dieser Welt technologieökonomisch, d.h. mit begrenzten Mitteln Videos schnell und komfortabel bereitstellt und dabei möglichst endgeräteunabhängig bleibt. Programmiert man eine Webapplikation? Und/oder je Mobilplattform eine Videoplayer-App mit zwei Layouts, optimiert für Telefone und Tablets? iOS, Android, Blackberry OS, Windows Mobile und WebOS? Oder nur nur einen Teil davon, was bekommt der Rest? Man hat besser viel Geld für die Programmierung und auch für die ständige Softwarewartung zur Hand.

Da ist man versucht zu sagen: „Warum soll ich mich sorgen? Video im Internet = YouTube: gut, billig, fertig!“ Jedes hochgeladene Video ist innerhalb von Sekunden/Minuten nach dem Upload im Browser weltweit verfügbar. Und mit dieser Gleichung liegt man nicht selten richtig. Googles Hardware-Ressourcen für YouTube sind gleichermaßen beeindruckend wie die Geräteunterstützung vom Desktop übers Handy und Tablet bis hin zum Internet-Fernseher. Es gibt aber genügend Fälle, da ist YouTube keine gute Wahl. Sei es aus Gründen der Vertraulichkeit, der Rechtesituation oder der gewünschten Kommunikationsziele.

Die Bavaria Film Interactive startet in Kürze eine neue, selbstentwickelte und selbstgehostete Webapplikation, mit der Filme und Videos in einem frühen, noch unfertigen Zustand dem Auftraggeber im Browser verschlüsselt zur Voransicht und zur Abnahme zugänglich gemacht werden: solange eine Internetverbindung mit ca. einem MBit/s anliegt, egal ob mobil oder stationär. Für Feedback, das vom Auftraggeber innerhalb von Minuten benötigt wird. In diesem Fall kann nicht gewartet werden, bis lokal oder serverseitig fünf bis acht Videoformate gerechnet sind oder bis die große Datei vom Auftraggeber runtergeladen wurde.

Das Videoformat für diese Anforderung ist die goldene Mitte zwischen Codiereffizienz und Codec-Kompatibilität: das ist heute ein MP4, Baseline-Profile mit H.264-Video und AAC-LC-Audio. Mit diesem einen universellen Videoformat können gleichermaßen all diese Plattformen in guter Qualität erreicht werden: Windows, OSX, Linux und moderne Androiden mit dem Flashplayer im Browser. Mit HTML5 oder dem Systemvideoplayer erreicht man iOS (iPhone, iPad, iPod Touch), Blackberry OS5 & 6 (Bold, Torch) sowie viele weitere mehr. Dieser Weg optimiert auf eine möglichst kurze Zeit vom Schnittplatz bis zum Feedback des Auftraggebers. Und er ruiniert den Plattformentwickler nicht.

Ist das Video dann abgenommen, wird es auf den Videoportalen der Auftraggeber qualitätsoptimiert veröffentlicht und oftmals auch auf YouTube. Aber auch erst dann.