10
Aug
2011

YouTube und Corporate Videos: kein perfektes Paar

Es geht ganz schnell und passiert oft schon beim ersten Gespräch. Sobald ein Unternehmen erstmalig ein Video zu Marketing- oder Informationszwecken haben möchte, kommt eine besondere Frage immer wieder auf. Bevor die erste Zeile des Briefings oder Storyboards geschrieben ist: Wie stellen wir den Film online – auf YouTube? Die Stirn steht in Falten, die Augen sind weit auf: die Erwartung einer schnellen, klaren Antwort steht ins Gesicht geschrieben.

corporatevideohostingTut mir leid, große Enttäuschung: eine einfache Antwort gibt es nicht. Aber eine Kurzfassung.

Am besten veröffentlicht und verteilt werden Corporate Videos zweigleisig:

  1. In der Videothek des Unternehmens
  2. Auf YouTube im eigenen Unternehmens- bzw. Projekt-Channel.

Was ist die Videothek des Unternehmens?
Es ist die Sammelstelle und Startrampe aller öffentlichen Videos eines Unternehmens. Eine Website für alle, die spezifisch nach Videomaterial dieses Unternehmens suchen, im Gegensatz zum üblichen themenbezogenen Suchvorgang. Diese Website kann zum Beispiel unter Adressen wie
video.unternehmensname.deunternehmensname.de/videos oder unternehmensname.tv gehostet sein. Bei genug Programm kann daraus ein eigenständiger WebTV-Kanal werden. Von dort werden die Video auf ihren thematisch passenden Zielseiten platziert: Corporate Website, Marketing-Microsites, Landing Pages für Mailings, Presse-Seiten und E-Learning-Plattformen. In der Videothek können die Inhalte speziell für die Videosuchmaschinen optimal präsentiert werden. Es ist die Basis für Video-URLs, RSS/iTunes-Feeds und das Videoplayerhosting.

Insbesondere für den schnellen Start mit den ersten Videos kann man auf die Publishing-Services der kommerziellen Corporate Video Hoster setzen, zum Beispiel 23video, Brightcove, Kaltura, MovingImage24, Vimeo Pro (neu!), Vzaar, etc. Dort ist man typischerweise mit 400-800 Euro im Monat mit den wichtigsten Publishing-Funktionen ausgerüstet. Ein Konto ist in wenigen Minuten eingerichtet. Ein paar Minuten später ist das erste Video in die Wolke geladen.

Doch bei Großunternehmen gehen die Ansprüche meist deutlich über die Funktionsumfänge der Corporate Video Hoster  hinaus, die sich bei ihrem SaaS-Modell naturgemäß auf die meistgefragten Funktionen konzentrieren müssen. Großunternehmen benötigen hausinterne Server, konfigurierbare Metadatensätze- und -strukturen, Anbindungen an das Content Management System der Corporate Website, Single-Sign-on, Nutzer-/Rechteverwaltungen, ein spezielles Webtracking-Tool, anspruchsvolle Service Level Agreements und meist viele Sonderwünsche mehr. Man benötigt also Konzepter für die Planung, Entwickler für die Umsetzung, Admins für den Betrieb. Diese individuell konzipierten und betriebenen Corporate Video Websites benötigen dann verständlicherweise größere Budgets. In diesen Projekten setzen wir unseren Corporate Video Publisher ein, einer Kombination von Software und Services, die das Digital Asset Management System der Firma Flowworks in München als Kernkomponente enthält.


youtubeAber warum überhaupt noch YouTube?

YouTube Vorteile

  • Kostenlos (Brand-Channel ausgenommen)
  • Zweitgrößte Suchmaschine im Web
  • Mit Abstand größte Videosharing-Plattform auf dem Planeten mit einem riesigen Publikum
  • Hohe Crossplattform-Kompatibilität (Computer, Smartphones, Tablets & TVs)
  • Umfangreiche Social Features: Weiterleiten/ Embedden/ Bewertungen /Kommentieren, Postings auf Twitter, Facebook & Co.
  • Guter Funktionsumfang mit Hotspots, automatischen Untertiteln, integrierter Auswertung, Video-Editor
  • Look & Feel ist dem User vertraut
  • Hohe Innovationsgeschwindigkeit

YouTube Nachteile

  • YouTube wird immer versuchen, die Zuschauer auf YouTube.com zu locken.
  • Kein Playerbranding, stark begrenztes Channel-Branding
  • Funktional keine Playeranpassung möglich
  • Werbeschaltungen
  • Die eigenen Videos gehen trotz der vielen YouTube-Zuschauer in der großen Menge der YouTube-Videos unter.
  • Kaum kontrollierbares Veröffentlichungsumfeld: wackelige Katzenvideos neben dem Corporate Video?
  • Keine mehrstufige/verteilte Nutzer-/Rechteverwaltung fürs Medienmanagement, -veröffentlichung und –auswertung
  • Kein Kundendienst
  • Kein Video länger als 15 Minuten
  • Viele Großunternehmen in Deutschland sperren in ihren Netzwerken mutmaßlich geschäftsfremde Angebote wie YouTube, Facebook oder eBay komplett
  • Große Internet Service Provider in Deutschland drosseln generell YouTube-Datenpakete, um die eigenen Netze vor Videolast zu schützen und um Peering-Kosten zu reduzieren. Die Blogger machen ihrem Frust Luft, die Telekom kann bisher nur Besserung geloben. Eigene Erfahrung: Ein YouTube-Video in 720p lädt über einen optimalen VDSL50-Anschluss der Telekom/1&1 in München mit weniger als 2 MBit/s und ist damit so langsam, dass der Player wiederholt zwischenpuffern muss. Dagegen kommt das gleiche YouTube-Video über eine Business-Connection von Versatel mit einer Transfergeschwindigkeit von über 100 MBit/s in wenigen Sekunden im Browser an.
  • YouTubes Nutzungsbedingungen, insbesondere 10.1A, vor allem auf Deutsch. Der Begriff Nutzerübermittlungen steht für Videomaterial und Kommentare…

    10.1 Indem Sie Nutzerübermittlungen bei YouTube hochladen oder posten, räumen Sie YouTube eine weltweite, nicht-exklusive und gebührenfreie Lizenz ein (mit dem Recht der Unterlizenzierung) bezüglich der Nutzung, der Reproduktion, dem Vertrieb, der Herstellung derivativer Werke, der Ausstellung und der Aufführung der Nutzerübermittlung im Zusammenhang mit dem Zur-Verfügung-Stellen der Dienste und anderweitig im Zusammenhang mit dem Zur-Verfügung-Stellen der Webseite und YouTubes Geschäften, einschließlich, aber ohne Beschränkung auf Werbung für und den Weitervertrieb der ganzen oder von Teilen der Webseite (und auf ihr basierender derivativer Werke) in gleich welchem Medienformat und gleich über welche Verbreitungswege;


 

Wie begleiten wir Unternehmen beim Start in die Videoproduktion? Wir stellen Fragen und zeigen konkrete Beispiele.

  • Welche Botschaften möchte ich im Video vermitteln?
  • Wen möchte ich ansprechen?
  • Was möchte ich erreichen/Was erwarte ich mir?
  • Wie will ich das erreichen?
  • Wie werde ich das messen/auswerten?
  • Auf welchen Kanälen/Events möchte ich Bewegtbild einsetzen?
  • Wie und von wem werden die Videos verwaltet?
  • Welche Zeit- und Budgetgrenzen habe ich?
  • Wie viele Videos beabsichtige ich im Jahr zu produzieren?

Meist ergeben sich daraus eine Reihe weiterer wichtiger Fragen, Kommunikationsziele und Plattformanforderungen greifen ineinander. Danach hat man sicher nicht auf alle Fragen eine Antwort, aber doch eine bessere Vorstellung davon, wohin die Reise gehen soll: inhaltlich, organisatorisch und auch technisch.

Fazit: Auf YouTube zu verzichten, ist nicht klug – es als primären oder einzigen Distributionskanal für Unternehmensfilme zu nutzen ebenso wenig.