31
Jan
2012

Camera Car und Straßensperrung: Dreharbeiten in Spanien

Als Bavaria Film Interactive produzieren wir nicht nur in München, es verschlägt uns hierzu auch immer wieder ins Ausland. Für mich als „zuagroaste“ Producerin ist die Kommunikation mit den bayrischen Produktionspartnern hier vor Ort schon manchmal nicht einfach. Aber eine Produktion komplett im nicht-deutschsprachigen Raum abzuwickeln, führt tatsächlich schon mal zu lustigen Missverständnissen.

Spanien_1

So ist es fast unmöglich, eine spanische Landstraße für Autoaufnahmen zu sperren, wenn man wie ich kaum Spanisch spricht. Dazu kommt, dass niemand von uns geahnt hat, dass die Bürokratie für Dreharbeiten in Spanien noch schlimmer ist als bei uns daheim. Tausende Sicherheitsbestimmungen treiben einen in den Wahnsinn.

Ein wenig Abhilfe schafft da die ortsansässige Produktionsfirma, deren Koordinatorin – siehe da – Deutsche ist. Ein Problem weniger, zumindest vorerst. Die Unterstützung durch die spanischen Teammitglieder am Set führte nicht unbedingt zu der erhofften Erleichterung: Die Spanier sind eben doch einfach ein gemütlicheres Völkchen. Da gibt es keine Zeitansage, wie lange es noch dauert, sondern einfach nur ein lapidares „Läuft schon…“.

Der Shot-Taker (auch Shot-Maker, oder camera car genannt: eine Art Pick-Up auf dem Platz ist für einen Kamerakran mit ferngesteuertem Kamerakopf) sollte es uns ermöglichen, viele verschiedene Einstellungen in einem Aufwasch zu produzieren. Aber von wegen „Shot-Taken“ – was auf Deutsch soviel wie „Einstellungs-Nehmer“ heißt. Dieses Produktionsmittel war vorerst keine große Hilfe: die Einstellungen auf unserer Shotliste wurden nicht weniger. Regie und Kamera saßen angeschnallt auf dem Pickup, alle waren bereit, das Fahrzeug bewegte sich jedoch keinen Zentimeter. Unsere spanischen Kollegen machte das im Gegensatz zu uns gar nicht nervös. „Das läuft schon…“. Es wurde gewerkelt und gewartet, ein zweites Mal der Tank des Generators aufgefüllt und – immer noch nichts gedreht.

Doch der Shot-Taker „took it all“. So viel Material in so kurzer Zeit, unglaublich. Die spanischen Kollegen ließen sich auch in den folgenden Tagen nicht von unserem straffen Zeitplan stressen: „Ja ja, das läuft“. Und ja, zum Glück: Es lief. Ich strahlte.

Spanien_2Auch beim Sperren der alten, pittoresken Landstraße, fragte ich mich zu Beginn, ob die spanische Unterstützung wirklich eine Hilfe ist, oder wir durch sie am Ende des Tages nur ein Drittel des Drehplans schafften. Sicherheits-Block 1 musste aufgestellt werden und dann Sicherheits-Block 2. Die Kamera durfte sich erst auf der Straße platzieren, wenn die genaue Position durch den Hauptblockierer geprüft wurde. Derweil stellten Assistent (A) und Assistent (B) im Sicherheitsblock 1 und 2 immer noch die orangen Pylonen am Straßenrand ab und immer noch war keine Einstellung gedreht!

Über Funk – wenn es den aufgrund des in den Bergen manchmal sehr grausamen Empfangs zwischen Block 1 und Block 2 überhaupt gab – wurde wild durcheinander gesprochen: Es wurde genauso schnell zwischen deutscher, englischer und spanischer Sprache gewechselt wie zwischen Kanal 3 (Dreharbeiten) und Kanal 2 (Straßensperrung). Und dann endlich: „Helene, street is clear, we can start sending the Herocar through, can you copy that?“ „Copy that!“, rief ich, um den Funkspruch zu bestätigen.

Aber: Ende gut, alles gut. Auch der letzte Shot bei untergehender Sonne findet Verwendung. Möglich war dies vor allem, weil wir die Straßen sperren konnten – und dank der von den Spaniern organisierten Genehmigung auch durften.  Sogar Berge bestiegen sie für uns, bis aus dem Funkloch endlich mal wieder jemand hörte: Can you copy that?!

Und die Moral von der Geschicht: In anderen Ländern lernt man nicht nur, anders zu kommunizieren, sondern auch mit mehr Gelassenheit Filme zu produzieren. Vielen Dank an die spanischen Kollegen!


Dank Straßensperrung und Camera Car wurde Material für die folgenden drei Filme gedreht. Sie gingen im Dezember 2011 und Januar 2012 online.