28
Jan
2016

Wovon reden die nur? Fachbegriffe aus dem Post-Production-Bereich auf den Punkt gebracht!

Fast jede Branche pflegt wohl ihren Fachjargon mit Begriffen, die meist nur „Insider“ verstehen. Bei uns beim Film ist das nicht anders. Aber: Ich mache Sie zu Insidern! Ganz im Sinne der Völkerverständigung beginne ich heute damit,  wichtige Fachbegriffe zu erklären. Es liegt in der Natur der Sache, dass ich mich dabei auf die Post-Production (Postproduktion) fokussiere – meinen Arbeitsbereich.

Was geschieht in der Postproduktion?
Die Postproduktion setzt normalerweise an, wenn der Film abgedreht ist. Sie umfasst z. B. den Schnitt, die Filmmusik, die Tonbearbeitung, die Farbbearbeitung und eventuell auch Animationsarbeiten. Allerdings kommt es immer häufiger vor, dass die Postproduktion bereits während der Dreharbeiten tätig wird, z.B. um Green Screens aufzubauen und sicherzustellen, dass spätere Arbeiten an Animationen und Motion Graphics auch tatsächlich umgesetzt werden können. Denn wie der Name schon sagt: Die Postproduktion kommt nach der Produktion und daher müssen bereits während der letzteren Phase die Grundlagen für eine zielführende Postproduktionsarbeit gelegt werden.

Was versteht man unter Motion Graphics?
Motion Graphics ist eine digitale Technik für die audiovisuelle Gestaltung von Bewegtbild durch Typografie und Grafik-Design. Sie wird meist in der Werbung, in Trailern oder Filmvorspännen eingesetzt. Aber auch in Nachrichtenformaten wird sie vermehrt genutzt, um Sachverhalte grafisch leichter verständlich zu machen, wie es die folgenden Bilder veranschaulichen.

Beispiel Motion Graphics

(Bildquelle: Vox Video auf YouTube)

Beispiel Motion Graphics

(Bildquelle: Vox Video auf YouTube)

Was ist Character Animation?
Character Animation ist die Gestaltung einer Figur im Animationsfilm. Durch die aufwendige Darstellung von Bewegungen, Emotionen und Gedanken (zusätzlich zum Synchronsprechen) erhält sie realistische Züge. „Findet Nemo“, „Das Dschungelbuch“ oder „Das große Krabbeln“ – die Filme aus dem Hause Disney•Pixar bieten hier eindrucksvolle Beispiele.

Beispiel Character Animation

(Bildquelle: webneel.com)

Was bedeutet Spotting?
Beim Spotting sehen Regisseur, Produzent und Komponist den Rohschnitt des Films durch. Dabei legen sie fest, an welchen Stellen Musik eingesetzt werden soll und welchen Zweck sie dabei zu erfüllen hat. Bei bereits fertigen Filmen kann sich das Spotting auf das genaue Timing und dementsprechendes Anlegen von Untertiteln oder Sprachaufnahmen beziehen.

Post-Production Spotting

Bavaria Film Interactive, Bsp. Spotting

Was ist Compositing?
Unter Compositing versteht man das Zusammenführen von Bildern/Elementen, die getrennt voneinander aufgenommen oder erstellt wurden. Oft geht es darum, computergeneriertes Material in Filmaufnahmen zu integrieren. Hier sehen Sie zum Beispiel links die gedrehte Aufnahme eines iPads. Rechts sehen Sie, wie in der Postproduktion das Bild eingefügt wird, das schließlich im Film auf dem iPad zu sehen sein wird. Beim Compositing gilt es darauf zu achten, dass sich die Elemente nahtlos einfügen.

Compositing

Bavaria Film Interactive, Bsp. Compositing

Compositing

Bavaria Film Interactive, Bsp. Compositing

Was ist 2 1/2D und 3D?
Auch wenn 2 1/2 einer 3 sehr nahe kommen, ist 2 1/2D noch lange nicht 3D! Wünscht der Kunde, dass ein Objekt räumlich dargestellt wird, funktioniert das natürlich nur mit 3D (dreidimensional). Im Unterschied zu 3D handelt es sich bei 2D – Sie ahnen es – um die zweidimensionale Darstellung in Ebenen und Flächen. Schiebt man die Ebenen in die Tiefe im 3D-Raum, erkennt man eine Parallaxe, d.h. eine scheinbare Verschiebung von Vorder- und Hintergrund, sobald die Kamera sich bewegt. Ebenen unmittelbar vor der Kamera bewegen sich schneller als weiter weg liegende Objekte. Da es jedoch immer noch Flächen sind, spricht man von 2 1/2D.

2D

Bavaria Film Interactive, Bsp. 2D

2 1/2D

Bavaria Film Interactive, Bsp. 2 1/2D

Was ist mit „Tracking“ gemeint?
Ein Begriff, der manchmal für Verwirrung sorgt, ist das so genannte „Tracking“. In der Postproduktion verstehen wir darunter die Erfassung von Bewegungspfaden. Indem Bewegungen eines Objekts oder der Kamera verfolgt werden, gewinnt das System Daten dieses Bewegungsablaufes. Damit können Objekte wie z. B. der Abspann eines Films automatisiert, eben den Bewegungen eines anderen Objektes oder der Kamera folgen. Videomaterial, in dem weder eine Kamerabewegung  noch ein sich bewegendes Objekt vorhanden ist, ist nicht trackbar. Ein bekanntes Beispiel für getrackte Informationen sind die Bauchbinden der Interviewpartner bei ZDFneo. Name und Titel (in der Fachsprache als „Bauchbinde“ bezeichnet) bewegen sich mit der natürlichen Bewegung der Person mit. Ein weiteres Beispiel für Tracking finden Sie in dem folgenden von Bavaria Film Interactive für den Kunden SAP produzierten Corporate Video (vgl. 00:51 und 01:05).