27
Okt
2016

Worauf achten bei einer Drohnen-Produktion?

Immer häufiger kommen bei professionellen Videoproduktionen Drohnen zum Einsatz. Mit Hilfe dieser Technik werden Bilder und Emotionen kreiert, die man bis dato nur mit hohem Produktionsaufwand und immensen Kosten realisieren konnte. Bei jeder Drohnen-Produktion sind jedoch viele rechtliche Auflagen und Anforderungen zu beachten. Über die Wichtigsten sprach unsere Herstellungsleiterin und Regisseurin Stefanie Behr mit Christian Breuer, Geschäftsführer bei unserem Partner All About Video GmbH.

Drohnen-Dreh Bavaria-Filmstudios 2016

(Copyright: Tom Streubel, 2016)

Was ist rechtlich bei einem Drohnen-Dreh zu beachten?

Breuer: Das hängt vom Einsatz bzw. der Nutzungsart der Drohne ab. Dabei wird im Wesentlichen unterschieden,

  • ob die Drohne zum Zwecke des Sports oder der Freizeitgestaltung
  • oder für andere Zwecke (z. B. Videoproduktion zur gewerblichen Herstellung von Foto- und Videoaufnahmen)

eingesetzt wird. Die Vorgaben variieren von Land zu Land, sind abhängig vom Gewicht der Drohne und weiteren Faktoren. Um es nicht zu kompliziert zu machen, gehe ich hier von der gewerblichen Nutzung einer Drohne in Deutschland und einem Gewicht von bis zu 5 kg (ohne Verbrennungsmotor) aus. Eine solche Drohne ist in der professionellen Videoproduktion durchaus üblich. Wir haben sie z. B. bei unserem letzten Dreh mit Bavaria Film eingesetzt. Ich werde hier nicht auf alles eingehen können, möchte aber zumindest auf die wichtigsten Aspekte hinweisen.

Zunächst muss für die Nutzung des Luftraums die Erlaubnis der zuständigen Behörde des Bundeslandes eingeholt werden. Für die meisten Bundesländer wie z. B. auch Bayern gibt es für Kamera-Drohnen bis zu 5 kg (ohne Verbrennungsmotor) eine allgemeine Erlaubnis („Allgemeinverfügung“). Diese kann bis zu 2 Jahre gültig sein und wieder verlängert werden. Eine Drohne darf nur bis zu einer max. Höhe von 100 m über Grund und nur in Sichtweite des Drohnen-Operators/-Piloten geflogen werden.

Verboten ist der Einsatz über Menschenansammlungen, Unglücksorten, Katastrophengebieten und über Einsatzorten von Polizei und anderen Behörden/Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie in Luftsperrgebieten und Gebieten mit Flugbeschränkung. Das gilt auch für Justizvollzugsanstalten, Industrieanlagen, Anlagen der Energieerzeugung/-verteilung und militärische Anlagen. Es sei denn, diese Stellen haben den Betrieb ausdrücklich gestattet. Auch im Einsatzraum von Luftfahrzeugen der Polizei und Rettungsdiensten sind Drohnen verboten. Hier gilt ein Radius von mindestens 1,5 km – wie auch bei Drohnen-Einsätzen in der Nähe von Flugplätzen und Flughäfen.

Die Eigentümer der Grundstücke, von denen Sie die Starts und Landungen durchführen, müssen ebenfalls zustimmen. Im Rahmen des Drohnen-Einsatzes dürfen keine Persönlichkeitsrechte oder Urheberrechte verletzt werden. Planen Sie, die Drohne innerhalb einer geschlossenen Ortschaft zu nutzen, muss die zuständige Polizeidienststelle vorab informiert werden. Sie kann den Einsatz auch verbieten.

Drohnen-Dreh SAP Sailing Team Germany 2015

Grundsätzlich gilt, wenn Sie eine Drohne einsetzen, müssen Sie auf einen sicheren Betrieb achten. D. h. weder die öffentliche Sicherheit und Ordnung, noch Personen, Tiere oder Sachen dürfen gefährdet oder gestört werden. Zum Produktionsbeginn müssen Sie über das Wetter und die Luftraumverhältnisse genau informiert sein.

Welche Drohnen-Arten gibt es und wann eignet sich welches Modell?

Breuer: Im Rahmen unseres Drehs für  Bavaria Film Interactive haben wir eine Inspire 1 Pro inkl. Zenmuse X5R Kamera von DJI eingesetzt. Die Inspire 1 Pro inkl. der hochwertigen X5R-Kamera bietet ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis und deckt zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für die meisten kommerziellen Videoproduktionen ab.

Das „R“ in „X5R“ bezeichnet Aufnahmen in „RAW“ und bietet dadurch noch mehr Möglichkeiten in der Postproduktion – insbesondere in Bezug auf Farbkorrektur und Color Grading. Darüber hinaus gibt es natürlich auch Drohnen, die flexibel unabhängige Kameras transportieren können. Dies kann – je nach Anwendungsfall – vorteilhaft sein. Z. B. hinsichtlich der Auswahl an unterschiedlichen hochwertigen Objektiven und zusätzlichen Kamera-Einstellungsmöglichkeiten. Meist sind diese Drohnen in Kombination mit flexibel einsetzbaren Kameras und Objektiven allerdings über 5 kg schwer, sodass sie wieder anderen Anforderungen und Auflagen unterliegen, auf die wir hier nicht näher eingehen.

Drohnen-Dreh Bavaria-Filmstudios 2016

(Copyright: Tom Streubel, 2016)

Wie, was, wo und gegen was absichern?

Breuer: Der Gesetzgeber schreibt eine Haftpflichtversicherung vor. Hier gibt es einige Anbieter, die Drohnen-Haftpflichtversicherungen in ihrem Portfolio haben. Schwieriger wird es, wenn man die Drohne als Gerät versichern möchte. Die  Anschaffungskosten für eine professionelle Drohne sind schließlich recht hoch. Um sich gegen die Risiken eines Absturzes o. ä. abzusichern, bedarf es einer speziellen Kaskoversicherung („Allgefahrenversicherung“). Wegen der vielen Drohnen-Abstürze gibt es allerdings nur wenige Anbieter derartiger Versicherungen.

Wann macht es keinen Sinn, eine Drohne zu nutzen?

Breuer: Es gibt Situationen, in denen der Einsatz von Drohnen nicht möglich oder zu risikoreich ist. So haben wir z. B. darauf verzichtet, die Drohne im Landeanflug durch die Studiotür in ein Bavaria-Filmstudio fliegen zu lassen. In diesem Fall haben wir den Drohnenflug durch ein Gimbal-Rig ersetzt. Dabei wird eine Kamera auf dem Rig (z. B. DJI Ronin) durch einen Kameraoperator bewegt. Der Gimbal selbst sorgt mit eingebauten Stabilisatoren dafür, dass die Kamera frei im System hängt und es zu keinem Wackeln oder Ruckeln kommen kann. Dadurch „schwebt“ die Kamera im Raum und erzeugt ein ähnliches Gefühl wie bei einem Drohnenflug. Gerade wenn es die Möglichkeiten nicht hergeben, oder aber sehr nah am Boden und an Gebäuden entlang geflogen werden soll, ist ein Gimbal-Rig ein sehr schönes ergänzendes Equipment bzw. eine Alternative zur Drohne.

Drohnen-Dreh – mit welchen Kosten muss ich ungefähr rechnen? 

Breuer: Die Kosten für professionelle Drohnen-Produktionen variieren stark und hängen immer von dem Projekt ab. Pauschale Zahlen zu nennen, ist daher schwierig. Grundsätzlich besteht jedoch ein Drohnen-Team aus 2-3 Personen. Der Drohnen-Operator, der die Drohne fliegt, und ein Spotter, der darauf achtet, dass es zu keiner Gefahrensituation kommt. So kann sich der Drohnen-Operator auf den Flug konzentrieren. Für aufwendige oder komplexe Drohnenflüge mit speziellen Kamerabewegungen wird eigens ein Kamera-Operator eingesetzt. Während der Drohnen-Operator sich auf die Flugmanöver der Drohne konzentriert, kümmert sich der Kamera-Operator ausschließlich um die richtige Kameraeinstellung und -bewegung. Bei nicht allzu komplexen Kameraeinstellungen und -bewegungen kann der Drohnen-Operator auch die Aufgabe des Kamera-Operators übernehmen.

Drohnen-Dreh SAP Sailing Team Germany 2015