08
Dez
2016

Green Screen – ein Allheilmittel? (Teil 1)

„Dann drehen wir doch einfach vor Grün! So sparen wir uns den Aufwand, ständig an neuen Locations aufzubauen!“ Oder, „wir müssten da eine Szene nachdrehen. Vielleicht geht das ja vor Grün und wir können diese einfach in die anderen Szenen einfügen.“ – Exemplarische Aussagen von Kunden – meist mit großem Enthusiasmus geäußert… Nur ungern zerstören wir die Illusion des „heilsbringenden Grüns“. Aber leider ist „vor-Grün-drehen“ nicht immer die Lösung aller Dinge.

Vorab einige Begrifflichkeiten: Ein Green Screen ist eine grüne Wand (Stoff, Wandfarbe, u. ä.) in sattem leuchtenden Giftgrün. Häufig hört man auch den Begriff „Blue Screen“, der nach dem gleichen Prinzip funktioniert – nur eben blau eingefärbt ist. Warum grün oder blau? Weil es die Farben sind, die in unseren Hautpigmenten am wenigsten vorkommen. Dadurch lassen sich Vordergrund (die Person) und Hintergrund (der Green/Blue Screen) mit den Software-Programmen der Postproduktion leicht und sicher trennen. Im Sprachgebrauch wird der Green Screen häufig nur „Grün“ genannt. Daher auch der Ausdruck „vor Grün drehen“. Der Vorgang, bei dem in der Postproduktion das Grün durch einen anderen Hintergrund ersetzt wird, nennt man „Chromakeying“.

Wann macht ein Dreh vor Grün Sinn?

A. Aus künstlerischer Sicht: Wenn Sie Ihre Hauptakteure an Orten zeigen möchten, die real nicht oder nur schwer dargestellt werden können. Denken Sie z. B. an die Szenen der einstürzenden Hochhäuser in „Inception“, die Flugszenen aus „Harry Potter“-Filmen oder die hier abgebildeten Szenen aus „Avengers“.

Einsatz Green Screen beim Kinofilm "Avengers"

(Bildquelle: http://cinefex.com)

B. Aus organisatorischer Sicht: Wenn Sie aus zeitlichen Gründen mehrere Menschen in ein und derselben Location filmen möchten, die Filme am Ende aber nicht oder nur bedingt identisch aussehen sollen. So z. B., wenn Sie mehrere Kunden interviewen wollen, die an einer Ihrer Veranstaltungen teilnehmen.

Damit der Zuschauer bei Harry Potter also nicht das Gefühl hat, der Hauptdarsteller schwebe auf seinem Besen in einem grünen Raum, wird in der Postproduktion eines solchen Kinofilms viel geleistet: Ein Dutzend Mitarbeiter tun über Monate hinweg nichts anderes, als die einzelnen Bilder (so genannte Frames) einer jeden Szene so zu bearbeiten, dass die Übergänge zwischen Vorder- und Hintergrund glatt und perspektivisch korrekt sind. Ein Frame ist 1/24 von einer Sekunde Film. Ja, Sie haben richtig gelesen: 24 Einzelbilder für lediglich eine Sekunde Film! Nun verstehen Sie, warum so viele Personen so lange daran arbeiten.

Fortsetzung folgt: Teil 2 des Beitrages wird am 09. Januar 2017 erscheinen.