09
Jan
2017

Green Screen – ein Allheilmittel? (Teil 2)

Teil 2 des Beitrages vom 08. Dezember 2016.

Warum ist der Green Screen kein Allheilmittel, wenn Zeit und Budget knapp sind? Der Technikaufwand bei einem Dreh vor Grün ist deutlich höher! Es braucht zunächst die Elemente der grünen Wand. Außerdem ist viel mehr Lichttechnik erforderlich. Der Green Screen muss nämlich gleichmäßig und ausreichend stark beleuchtet werden. Gleichzeitig ist aber auch die zu filmende Person von allen Seiten her gut auszuleuchten, damit sie sich ausreichend vom Hintergrund abhebt. Für die Postproduktion ist es wichtig, dass die Person sehr präzise „ausgeschnitten“ – das heißt „gekeyt“ – werden kann, um das Grün durch andere Elemente zu ersetzen.

Ein Dreh vor Grün hat seine Tücken

Ist die Person schlecht ausgeleuchtet, verschwimmen die Ränder zwischen Vordergrund (Person) und Hintergrund (Grün) und damit wird der Key „unsauber“. Das wirkt sich vor allem bei feinen Details wie z. B. den Haaren aus. Am Ende ist für alle sichtbar, dass die Person ausgeschnitten wurde. Sie wirkt eventuell „eckig“ und künstlich.

Schlecht gesetztes Licht führt auch dazu, dass der Green Screen auf die Person abstrahlt. Dadurch erhält sie einen Grünstich im Gesicht, den sogenannten „Green Spill“. Dieser ist in der Postproduktion nur sehr schwer zu beseitigen, ohne dass die Hautfarbe komplett unnatürlich wirkt.

Green Screen

(Bildquelle : http://www.hollywoodcamerawork.com)

Kritisch sind auch reflektierende Objekte wie z. B. Autos. Hier ist jeder Versuch, mit Green Screen zu arbeiten, zum Scheitern verurteilt. Der Grund: Alle Reflexionen müssen von Hand retuschiert werden. Daher ist der Aufwand im Prinzip genauso groß, als würde man das Objekt ohne Green Screen von Hand freistellen (vom Fachmann als „rotoskopieren“ bezeichnet).

Green Screen

(Bildquelle: http://www.hollywoodcamerawork.com)

Was das Budget in die Höhe treibt

Es gibt also zahlreiche Details, die bei der Planung und Durchführung eines Green Screen-Drehs zu beachten sind. Selbst wenn kein 90-minütiger Blockbuster produziert wird, ist der Aufwand in der Postproduktion erheblich. Wie bereits gesagt sind Spezialisten und vor allem viel Zeit nötig, um Objekte zu keyen und das Grün zu ersetzen. Das kann schnell zum doppelten bis dreifachen Aufwand in der Postproduktion führen, was die Produktionskosten insgesamt in die Höhe treibt.

Die Frage aller Fragen

Die grundlegende Frage, die Sie sich als Kunde stellen sollten, bevor Sie eine Green Screen-Produktion angehen, lautet: Wodurch soll das Grün ersetzt werden? Durch einen einfachen Farbverlauf oder eine virtuelle Welt? Oder soll es reales Filmmaterial sein? Die Antwort darauf beeinflusst auch den Dreh, z. B. in welcher Einstellungsgröße und Körperhaltung die Person vor Grün gefilmt wird. Eventuell fallen auch für die Produktion des einzublendenden Materials zusätzliche Kosten an, die bis dato vielleicht noch nicht bedacht wurden.

Clevere Alternative zum Green Screen

Es muss nicht immer der Dreh vor Grün sein. Vielleicht kann mit einer einfachen schwarzen Fläche, die professionell ausgeleuchtet ist, ein viel passenderer Effekt und Look erzeugt werden. In diesem Video-Beispiel wurde US-Präsident Barack Obama vor einer einfarbigen Fläche gefilmt:

Ein gelungenes Setup sowie Interview, wie wir finden. Der Zuschauer kann auch dank des überlegten und abgestimmten Einsatzes von Motion Graphics und Schnittführung gut folgen.

Unser Fazit

Hier nochmal in aller Kürze, was Sie vor einem Dreh vor Grün bedenken sollten:

  • Macht ein Green Screen für das Projekt Sinn? Wodurch soll das Grün ersetzt werden?
  • Achten Sie auf eine transparente und professionelle Beratung hinsichtlich zeitlicher und finanzieller Auswirkungen!
  • Ausreichend professionelles Licht-Equipment am Set sicherstellen!
  • Die grüne Wand muss perfekt glatt und schmutzfrei sein!
  • Die Person vor der Kamera darf keine auch nur annähernd grünfarbige Kleidung tragen!
  • Möglichst glatte Kanten, d. h. zerzauste unfrisierte Haare und alles mit Fransen vermeiden.