08
Feb
2017

LED am Set

LEDs sind im Vormarsch – auch am Set. Verschwindet die Leuchtstoffröhre? Was bedeuten LEDs für das Licht am Set? Worin bestehen die Unterschiede und worauf sollte man achten? Ein Gespräch mit Lichtgestalter Raffael Pollak.

Jahrelang waren die Leuchtstoffröhren des Herstellers Kino Flo das Maß aller Dinge an vielen Drehorten. Das hat sich mit dem Aufkommen der LEDs gewandelt. Warum? 

Kino Flo (Bildquelle: www.bhphotovideo.com)

Das hat sicherlich eine politische Komponente. Anstatt echte Probleme zu lösen, werden „energieschleudernde“ Staubsauger und hitzebildende Halogenleuchtmittel verboten. Und das obwohl deren Spektrum dem menschlichen Hirn am meisten vertraut ist und daher automatisch als „Sicherheit“ empfunden wird.

ABER: Leuchtstoffröhren haben einen ganz eigenen Lichtcharakter. Das liegt an ihrer radialen Abstrahlung – LEDs haben immer eine Richtung – und an ihrem Spektrum, das von UV-Licht angeregt wird. LEDs sind ein weiteres Werkzeug, das der Künstler aus seiner erweiterten Palette wählen kann. Allerdings ersetzen sie noch keine anderen Werkzeuge. Alle Technologien haben Vor- und Nachteile – technisch wie kreativ.

Sind Kino Flos von gestern, oder wofür sind sie heute noch zweckmäßig?

Leuchtstoffröhren sind nach wie vor nachhaltig mit ca. 5.000 Stunden Farbstabilität und den niedrigen Wiederbeschaffungskosten. Überall, wo eine konstante Lichtsuppe gebraucht wird, kann man sehr schnell mit einem Leuchtstoffsystem sauberes Licht setzen. Und das mit einer perfekten Farbzusammensetzung (Greenscreen, VR, Portrait, Reflexe, Food).

Kino Flos und LEDs sind variabel zwischen Tages- und Kunstlicht. Bei den Kino Flos muss man die Leuchtstoffröhren wechseln. Bei Bicolor LEDs muss man nur noch umschalten. Gehört diese Variabilität zur Erfolgsgeschichte beider Lichtquellen?

(Bildquelle: www.bestoftechnic.de)

Bei Kino Flo gibt es 3 Farbtemperaturen. Tageslicht 5500K, Kunstlicht 3200K und Studiokunstlicht 2700K – entsprechend der gedimmten 2 KW-Stufen. Die meisten Studios haben eine fixe Vorgabe. Man muss also nicht live umschalten – für mobile Projekte oder flexible Studios durchaus ein Zeitgewinn. Aber auch Kinoflo bietet inzwischen farbveränderbare und in ihrer Farbigkeit einstellbare RGBWW-LED-Systeme, die einen neuen Benchmark setzen.

Unser Kameramann liebt LED-Flächenleuchten, Felloni’s. Können Sie ihn verstehen?

Felloni (Bildquelle: www.deoweigertfilm.de)

Die Tecpro Felloni ist eine extrem praktische Leuchte. Als wir sie auf den Markt brachten, war sie besser und zudem günstiger als alle anderen Systeme. Mit Batterieaufnahme, Netzbetrieb und Steuerung an der Leuchte ist sie sehr „schnell“ und damit sehr realitätsnah.

 

 

LED-Licht entwickelt sich fortlaufend weiter. Seit kurzem setzen wir ein flexibles Aladdin LED-Panel ein, das sich wie eine Matte biegen und rollen lässt. Wir verwenden dieses Aladdin Flex Licht primär für Aufnahmen im Fahrzeuginnenraum. Was machen andere Produktionsfirmen damit?

Ihr Anwendungsfall gehört zu einem der häufigsten. Wir haben aber auch Kunden, die das Aladdin Panel neben der Steadicam (Schwebestativ) mitfliegen lassen an einem Boom (Schwenkarm). Andere kleben die Leuchte in einem beengten Raum an eine Fahrstuhldecke oder flach an eine Wand. Sie ist also eine LED-Leuchte, die sich super schnell montieren und einsetzen lässt.

Aladdin Flex Panels (Bi-Color)

Beim Einsatz von einfachen EB-Teams wird seit Jahrzehnten auf Kostensenkungen geachtet. Tageslicht, also HMIs, dabei zu haben, war und ist regelmäßig ein Kostenthema. Werden lichtstarke LEDs die kleineren HMI-Strahler als preiswertere Alternative verdrängen?

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Arri M18 HMI Lamphead (Bildquelle: www.bhphotovideo.com)

Ein HMI-Strahler zeichnet sich durch Leuchtmittel mit einem fast punktförmigen Lichtpunkt aus. Das ist ideal für hoch-optische Systeme wie ein dedolight. In der 200W oder 400W Klasse sehen wir noch keinen Ersatz. Für die meisten Kameras reichen aber heutzutage niedrigere Luxwerte. Die öffentlich-rechtlichen Teams sind sehr zufrieden mit der DLED4 und DLED9 und seit neustem auch mit dem hybriden DLED7, welche es auch mit einem reinen Tageslicht-LED Chip gibt.

Worin bestehen ganz allgemein die großen Vorteile der LEDs?

Es gibt zwei kreative Vorteile. a) Keine Farbverschiebung beim Dimmen (Monocolor LED Systeme). Und b) flexibler Einsatz, um Stimmungen zu erzeugen bei BiColor Systemen. Dazu kommt der praktische Nutzen, der einfachen „entfesselten“ Akku-Lösungen.

In welchen Bereichen sind LEDs bis heute unterlegen?

Bei sehr lichtstarken Einsätzen wie z. B. im Highspeed Werbefilm oder in Systemen, in denen eine ausreichende Kühlung nicht gewährleistet werden kann.

Was machen die Qualitätsunterschiede bei LEDs aus, bzw. worauf sollte man beim Kauf achten?

Man sollte LEDs eines namhaften Produzenten kaufen, der entsprechende Service-Leistungen anbietet und auch ein Leuchtensystem verfügbar hat. Es gibt viele Anbieter, die sehr günstig verkaufen – auch gute Systeme. Aber das ist im Vorfeld nicht erkennbar und schon gar nicht garantiert.

 

Raffael Pollak

Raffael Pollak

Raffael Pollak ist Lichtgestalter bei Dedo Weigert Film GmbH in München. Er berät Kunden bei den Fernseh-Anstalten ‒ als Bindeglied zwischen Hersteller und Anwender. Er besucht Verleiher, um Geräte und Technologien zu erklären. Raffael begleitet Fotografen auf dem Weg vom Blitz zum Dauerlicht und leuchtet Koch- und Webcast-Studios aus. Leidenschaftlich gerne arbeitet er in Museen als Beleuchter und Lichtgestalter.