20
Apr
2017

„Drehe niemals mit Tieren oder Kindern“ – was ist dran?

Wie zwei dunkle Pfeile kommen die beiden Dobermänner die Straße heruntergespurtet, dem Mann dicht auf den Fersen. Die gefletschten Zähne und das laute Gebell wirken bedrohlich. So soll es laut Drehbuch auch sein. Der Weg dahin kann allerdings lang, teilweise amüsant sowie überaus lehrreich sein.

Studioproduktion TVC weeCONOMY„Drehe niemals mit Tieren oder Kindern!“
Am Set bekommt man eine Ahnung davon, was es mit dieser alten Filmregel auf sich hat. Dass die  vierbeinigen Stars  jemandem die Show stehlen könnten, ist dabei allerdings die geringste Sorge. Vielmehr dauert alles länger und die Auflagen sind hoch. (Beim Dreh mit Kindern natürlich noch viel höher. Es müssen zahlreiche Genehmigungen eingeholt werden und je nach Alter des Kindes entsprechende Aufenthaltsdauern am Set im Drehplan berücksichtigt und protokolliert werden.) Mit Tieren ist es glücklicherweise einfacher – und dennoch genehmigungspflichtig gemäß § 11 I S. 1 Nr. 3b des TierSchG. Ein guter Tiertrainer weiß das natürlich und auch, was am Set zu beachten ist. Kostprobe gefällig?

Füttern und streicheln unterwünscht
Tiere – und ganz besonders Hunde – sind zum Streicheln da. Die am Set nicht. „Kein Streicheln und kein Füttern“, so der Tiertrainer. Es stört ihre Konzentration. Eben weil die Konzentration schnell verloren geht, sollten die Tiere auch erst dann an das Set gebracht werden, wenn alles tatsächlich drehbereit ist.

Extrawünsche für den tierischen Star
Wenn Sie wieder einmal von einer vermeintlich versnobten Schauspielerin lesen, die auf einen eigenen Koch am Set besteht, denken Sie an das hier: Nicht nur die Entourage eines Tieres kann beachtlich sein (Tiertrainer, Frauchen, Herrchen…). Es braucht auch eine Rückzugsmöglichkeit – ggf. ein eigenes Wohnmobil. Und zwar aus den gleichen Gründen wie auch bei Schauspielern: um sich auszuruhen, zu sammeln und zu konzentrieren.

Studioproduktion TVC weeCONOMY

Keine anderen Tiere am Set
Egal wo ein Film mit tierischen Darstellern entsteht: Außer ihnen dürfen keine anderen Tiere am Set sein. Es kann zu unerwarteten Zwischenfällen führen, wenn auf einmal die Katze vom Besitzer der Drehlocation auftaucht. Große Aufregung bei allen und die Konzentration ist hin.

Frühzeitig Kontakt mit Tiertrainer aufnehmen
Das Tier soll eine bestimmte Handlung ausführen, vielleicht sogar einen Stunt machen? Egal wie unkompliziert und leicht Sie die Sache auch einschätzen, nehmen Sie frühzeitig Kontakt mit dem Tiertrainer auf. So lässt sich schnell klären, was machbar ist bzw. welcher Trainingsaufwand dahintersteckt.

Meet & Greet der Stars nicht vergessen
Bevor die erste Klappe fällt, sollten sich Mensch und Tier unbedingt kennenlernen. Damit ersparen sie sich das „Geschnüffel“ während der ersten Szenen und können lockerer miteinander umgehen.

Studioproduktion TVC weeCONOMYTiere in der Maske
Ungewöhnliche Filme erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. So bei einem tierischen Dreh im November 2016. Wenn das Drehbuch vorsieht, dass ein Dalmatiner seine Punkte weg leckt, muss Schminke her. Bloß welche? Und wie schminkt man einen Hund? Auch dafür gibt es Spezialisten. Die wissen, welche Produkte aufgrund ihrer Eigenschaften genommen werden dürfen und welche nicht. Der Tierschutz ist schließlich oberstes Gebot.

Alles in allem dauert ein Dreh mit Tieren deutlich länger, weil mehr Pausen eingeplant werden müssen. Aber es ist faszinierend zu sehen, was Tiere lernen und auf Kommando abrufen können.