10
Mai
2017

Bewegtbild im Employer Branding Teil II: Formate – welche eignen sich wann und wofür?

In unserem 1. Blogpost zum Thema „Bewegtbild im Employer Branding“ haben wir bereits festgestellt, dass Videos hier gewinnbringend eingesetzt werden können. Jetzt beschäftigen wir uns mit einer Auswahl  an geeigneten Formaten.

Showcase-Videos als emotionale Brückenbauer
Auf den großzügig verteilten Schreibtischen schmiegen sich moderne Flachbildschirme aneinander. Auf einem der Tische steht ein Tetrapack Kakao. „Ich liebe Kakao“, verrät eine männliche Stimme, während die Kamera den Schreibtisch ranzoomt. „Und Lakritze.“ Einen Moment verharrt das Bild auf einer nahezu leeren Packung Lackritzschnecken. Der Schwenk Richtung Tür gewährt einen Blick in den Aufenthaltsraum: Vier junge Typen unterhalten sich angeregt an einem großen Esstisch. Mit Kaffeebechern in der Hand grüßen sie lässig: „Hi Tim.“
Tim, das ist der Mann hinter der Kamera. Der Mann, dessen Job, Arbeitsumfeld und Kollegen Sie gerade kennenlernen. Authentisch erzählt er, woraus sein Büroalltag besteht. Welches Restaurant den besten Mittagstisch hat und was ihm an seiner Arbeit, seinem Arbeitsplatz besonders Freude bereitet.

Es sind die kleinen Dinge, die es Jobsuchenden erleichtern, sich eine Position vorzustellen und den Personalern, die geeigneten Kandidaten zu finden. In der sicheren Umgebung der eigenen vier Wände erhascht der Mitarbeiter in Spe einen Blick hinter die Kulissen. So findet dieser vielleicht Antworten auf Fragen wie: „Passe ich dahin? Will ich diesen Job überhaupt?“ Darüber hinaus baut ein gut gemachter Film der Sorte „Ein Tag im Leben von…“ bereits vor dem ersten Kennenlernen eine emotionale Brücke. Tim haben Sie immerhin schon einmal kennen gelernt. Und der war nett.

Beispiel Showcase-Video (Kunde: SAP, Umsetzung: Bavaria Film Interactive)

Testimonials vor und hinter der Kamera
Häufiger stehen die Testimonials jedoch vor, statt hinter der Kamera. Möglichst authentisch erzählen sie, was sie an ihrem Arbeitgeber schätzen. Ziel ist es, eine positive Einstellung zur Arbeitgebermarke zu fördern. Unabhängig davon, ob sich das Testimonial vor oder hinter der Kamera befindet, eignet sich der Film auch dazu, allgemeines Unternehmenswissen wie Prozesse, zentrale Ansprechpartner, Compliance-Vorgaben etc. anschaulich zu vermitteln.

Mit Interactive Videos spielerisch zum Ziel
Als Bestandteil von Business Games/Planspielen, ein „klassisches“ Recruitment-Instrument für Nachwuchskräfte in Ausbildung und Studium, können Interactive Videos auf spielerische Weise Einblicke vermitteln: z. B. in Unternehmenskultur und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten. Durch die Interaktion werden Eigenschaften eines potenziellen Arbeitgebers erlebbarer. Die vielfältigen Darstellungs- und Interaktionsformen bzw. Informationsebenen bei sog. Interactive Videos unterstützen zudem eine aktivere Auseinandersetzung mit dem Inhalt.

Auch Gamification-Elemente à la Quizduell können innerhalb von Interactive Videos eingesetzt werden. Nutzer sind z. B. aufgefordert, besser/schneller eine Aufgabe zu bearbeiten als andere Nutzer oder als ein Countdown. Gamification dieser Art bietet sich z. B. an, wenn sich Teilnehmer solcher Business Games/Planspielen für die nächste Runde qualifizieren oder im Rahmen von Teilaufgaben mit anderen Teilnehmern/Teams messen müssen.

Stellenanzeige per Video
Gerade bei der Ansprache der Generation Y, aufgewachsen mit YouTube & Co., ist der Mix aus Stellenanzeige und Employer Branding-Video ein probates Mittel: passend zum Mediennutzungsverhalten jederzeit und auf jedem Endgerät verfügbar – und wiederum vielseitig einsetzbar.

Beispiel Mitarbeiter-Testimonial (Kunde: Porsche Consulting, Umsetzung: Bavaria Film Interactive)

Erklärvideos statt dröge Mitteilungstexte
Die Kommunikation entlang der sog. Candidate Journey (d. h. während des gesamten Recruiting-Prozesses mit allen Kontaktpunkten zwischen Unternehmen und Kandidaten) erfordert Kreativität. Mithilfe von Bewegtbild lassen sich auch drögere Informations- bzw. Kommunikationsstrecken auflockern. Ein Beispiel sind Erklärvideos, z. B. eingebettet im Online-Bewerbungs-Tool: Zum Eingabestart der Bewerbung wird der dazugehörige Prozess Step-by-Step erläutert.

Fazit:
Die Auswahl an Video-Formaten im Allgemeinen ist groß und die passenden Formate sind je nach Zielsetzung, Einsatzgebiet und Budget sorgsam zu wählen. In Bezug auf Personalgewinnung und -bindung lassen sich diese für Employer Branding-Filme z. B. an geeigneten Phasen der Candidate Journey grob ausrichten:

Orientierung und Jobrecherche
z. B. Showcase, Testimonial, Imagefilm, Stellenanzeige mit Video

Übermittelung der Bewerbung
z. B. Erklärvideo, Interactive Video mit Infografiken

Teilnahme an Auswahlverfahren
z. B. Erklärvideo, Interactive Video mit Gamification

Entscheidung und Ergebniskommunikation
„Old School“ = „New School“: Besser im persönlichen Gespräch und/oder schriftlich

Onboarding
z. B. Interactive Video, Imagefilm, Erklärvides (i. S. eines Instruments der Mitarbeiterqualifizierung)

Integration und Bindung
z. B. Interactive Video, Erklärvideo, Testimonial, Executive Statement

Beispiel Executive Recruiting (Kunde: SAP, Umsetzung: Bavaria Film Interactive)

Doch nicht nur auf potentielle, sondern auch auf bestehende Mitarbeiter ist die emotionale Wirkung von Videos nicht zu unterschätzen. Identifizieren sie sich mit ihnen – und damit mit dem Arbeitgeber, der dahintersteht – können sie für diesen zu Multiplikatoren werden. Und was könnte überzeugender sein als eigene, begeisterte Mitarbeiter?

Quellen:
http://www.jobcast.net/26-social-recruiting-stats-and-facts/,
http://universumglobal.com/de/2017/02/360-grad-videos/,
http://aboutus.ft.com/2016/02/17/financial-times-launches-employer-brand-video-to attracttalent/#axzz4aBDjMWOV,
https://www.personalwirtschaft.de/assets/buecher/leseprobe1_employer_branding.pdf