14
Aug
2017

Wie aus schönen Bildern ein emotionales Erlebnis wird. Ein kleiner Ausflug in die Bildgestaltung

Wenn wir an bildgewaltige Filme denken, kommen uns meist eine Reihe von Spielfilmen und Kinoproduktionen in den Sinn. Vieles, was im Spielfilm funktioniert, lässt sich auf unser Tun übertragen. Auch ein Corporate Video braucht starke, erzählerische bildliche Mittel für eine funktionierende Geschichte.

Ästhetische Bilder erzeugen
Eine Herausforderung, der wir uns beim Unternehmensfilm gegenüber sehen, besteht darin, dass Inhalte manchmal wenig emotional sind und keine Dramaturgie oder Geschichte nach sich ziehen. Dennoch ist das Ziel, den Zuschauer „zu packen“. Wir müssen also die Inhalte und Motive so in Szene setzen, dass sie emotional überzeugen. Neben gutem Storytelling – unabdingbar, um Inhalte wirklich wirken zu lassen – stellen auch die filmischen Mittel gewaltige Instrumente dar, um Emotionen zu erzeugen. Mit Licht, Farbe und Kamerastil beeinflussen wir die Ästhetik des Films und damit die Gefühlslage des Zuschauers.

Die Kamera funktioniert dabei als erste erzählerische Instanz. Entweder dokumentarisch nüchtern und begleitend, verspielt oder pragmatisch distanziert – durch die unterschiedliche Bildsprache am Drehort können damit z. B. unterschiedliche Stimmungen an den jeweiligen Orten transportiert werden. Gesetztes Licht unterstützt die Bildgestaltung vor Ort. Es hebt Dinge hervor und lenkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers, charakterisiert Personen und Orte.

Emotionen entstehen im Erleben
Neben den Bildern selbst spielen vor allem deren Gestaltungsmittel eine Rolle, wenn es darum geht, wie welches Bild wirkt und emotional berührt. Die Motive für die Bilder können unterschiedlich gut geeignet sein, um Emotionen zu transportieren. Je nach Geschichte funktionieren sie dann erst in der Kombination und Abwechslung von Einstellungsgrößen, Kameraperspektiven und -bewegungen sowie passender Kadrierung. Erst durch das „Beleben“ der Motive und Bilder kann es eine gelungene Kommunikation zwischen dem späteren Film und dem Zuschauer geben.

Die Kamera wiederum entscheidet schon am Drehort im ersten Schritt nicht nur darüber, was wir sehen, sondern auch, wie wir im Film gefühlsmäßig darauf reagieren. Denn sie liefert das Ausgangsmaterial und damit den „emotionalen Baukasten“ für den späteren Schnitt. Der Wechsel zwischen Totalen und Detail-Einstellungen ist beispielsweise entscheidend für eine Distanz oder emotionale Nähe des Zuschauers zu den Personen und dem Geschehen im Film.

Close Ups oder Detailaufnahmen springen dem Zuschauer ins Auge, lassen bisher nicht wahrgenommene Eindrücke zu und geben eine Aufmerksamkeits- und Signalwirkung ab. Unterschiedliche Perspektiven auf das Geschehen, die Person oder den Gegenstand – von weit oben, unten oder aus einer versteckten Perspektive – können ein Bild ganz unterschiedlich erzählen. Bewegungen der Kamera selbst wie dynamische Fahrten, Flüge oder Schwenks setzen verschiedene Ebene des Bilds wie Vordergrund und Hintergrund oder einzelne Elemente innerhalb des Bilds deutlicher miteinander in Beziehung und führen den Blick des Zuschauers durch das Bild. Der Zuschauer ist emotional näher dabei, er wird von den Bildern und Bewegungen geleitet.

Jedes Bild kann emotionalisieren
All diese Mittel kann man sich besonders gut im Unternehmensfilm zunutze machen, da hier großer Spielraum besteht, Bilder unterschiedlich und effektvoll in Szene zu setzen, sie mit Musik zu unterstreichen und dramaturgisch wirken zu lassen. Erst das perfekte Zusammenspiel der filmgestalterischen Mittel und der Bildauswahl machen aus schönen Bildern ein emotionales Erlebnis, das in Erinnerung bleibt.