13
Nov
2017

Besser als die Realität? Vor- und Nachteile virtueller Lernwelten

Stellen Sie sich vor…, was wäre wenn? Virtual Reality (VR) kann was – vor allem faszinieren mit dem Blick auf das, was künftig möglich sein soll. Wir relaxen à la Star Trek in Holosuiten, treffen imaginäre Menschen aus der Vergangenheit und bestimmen, was wir wo und wann machen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt – der Umsetzung hingegen schon. Noch.

Dennoch wächst die Bedeutung von VR unbestritten. Längst sind es nicht mehr nur Gamer, die von virtuellen Welten träumen. So versprechen sich Unternehmen z. B. Einsparpotenziale bei der Mitarbeiterqualifizierung. Die benötigten Hard- und Softwarekomponenten wurden stetig weiterentwickelt, so dass die Anschaffungskosten gesunken sind und Virtual Reality attraktiver geworden ist.

Was ist Virtual Reality?

Im Zusammenhang mit virtueller Realität sollte man vor allem mit drei Begriffe bzw. deren Abkürzungen vertraut sein:

  • VR = Virtual Reality: Techniken, die in Echtzeit eine realitätsnahe Wahrnehmung von rechnergestützten Simulationen ermöglichen. Diese Definition schließt auch Interaktionen des Menschen mit den einzelnen Elementen der Simulation ein.
  • AR = Augmented Reality: Die Wahrnehmung der Realität wird durch virtuelle Elemente erweitert. Denken Sie an das Spiel Pokémon Go, oder an die neue App eines schwedischen Möbelhauses, mit der Sie virtuelle Möbel in Ihrem Zuhause einblenden können.
  • MR = Mixed Reality: Hier vermischen sich reale und virtuelle Welt. Dieses Interagieren von realen und virtuellen Objekten gibt es z. B. bereits in der Medizin. Dabei werden bestimmte virtuelle Elemente im Operationsfeld eingeblendet, so dass der Chirurg genau erkennt, an welcher Stelle er wie das Skalpell ansetzen muss.

Virtual Reality als Lernumwelt

Die zentrale Frage bei der Anwendung von VR in der Weiterbildung ist: Bringt eine virtuelle Lernwelt Vorteile für den Lernenden? Die Antwort ist eindeutig Ja. Das hat eine Vielzahl von Studien gezeigt. Positiv ist vor allem ein Effekt: die Verräumlichung. Der Lernende hat den Eindruck, in einer künstlichen Umwelt zu sein, was sein Präsenserleben steigert. Schon lange wissen wir, dass dieses Präsenzerleben ein entscheidender Faktor für erfolgreiches Lernen ist. Es macht einen Unterschied, ob man allein am Schreibtisch lernt oder gemeinsam mit einem Lehrer/mit einer Gruppe in einer passenden Lernumgebung. Ein weiterer Vorteil: die zahlreichen verschiedenen Sinneskanäle, die beim Lernen angesprochen werden. Lernforscher wissen, je mehr Sinneskanäle involviert sind, desto besser werden Lerninhalte im Gehirn vernetzt und später erinnert. Eine virtuelle Realität ist also auch hier ein probates Mittel, um das Lernen zu unterstützen. Eine attraktive Alternative ist es auch dann, wenn der Lernprozess unter realen Bedingungen sehr kostspielig oder gefährlich wäre. Auch kann die virtuelle Lernwelt sehr genau an die Fähigkeiten des Lernenden angepasst werden.

Nachteile von VR

Bei so vielen Vorteilen muss es auch Nachteile geben. Und die gibt es tatsächlich. Die Vielfalt an Möglichkeiten kann dazu führen, dass sich der Lernende darin verliert. Die Wissenschaft spricht dann von kognitiver Überlastung. Wenn das didaktische Konzept nicht gut ist, wird es ggf. für den Besucher der virtuellen Umwelt so schwierig sich zu orientieren, dass für das eigentliche Thema keine Kapazitäten mehr frei sind. Die Folge: Frustration, Unlust und vor allem ein völlig ins Leere gehender Lernimpuls. Im schlimmsten Falle heißt das, VR ist unbrauchbar.

Aber auch der umgekehrte Fall ist denkbar. Eine sehr raffinierte und anspruchsvolle virtuelle Umgebung löst eine große Faszination aus. Der Lernende ist davon so begeistert, dass er die Lernanreize gar nicht als solche wahrnimmt und mehrmals die selbe Lektion durchgehen muss. Als letztes mögliches Problem bleibt die Simulator Sickness: Dieser Begriff fasst eine Vielzahl von Symptomen wie Übelkeit, Desorientierung und Schwindel zusammen. Ausgelöst wird Simulator Sickness wohl dadurch, dass die Sinne, die die Informationen über Lage und Bewegung des Körpers verarbeiten, dem Gehirn unterschiedliche „Daten“ melden. Die Symptome können so stark sein, dass der Lernprozess abgebrochen werden muss.

Aufgabe der Content-Lieferanten

VR unterstützt den wichtigen Prozess vom Wissen zum Können. Für Content-Lieferanten ergeben sich hierdurch einige Herausforderungen: Ich habe erläutert, wie die schiere Begeisterung für virtuelle Inhalte und die Fülle an Möglichkeiten überfordern können. Der Content muss deshalb sehr genau erarbeitet werden, um die Inhalte perfekt an die Technik und an den Lernenden anzupassen. Das wichtige didaktische Konzept, Komplexität zu reduzieren, ist in der virtuellen Lernwelt noch schwieriger umzusetzen. Aber nur so kann vermieden werden, den Nutzer zu überfordern.

Fazit

Virtual Reality begeistert! Aus Sicht der Content-Lieferanten ist jedoch immer zu fragen: Gibt es einfachere Wege, um den Lerninhalt zu präsentieren? Nutze ich mit meinen Inhalten wirklich die großen Vorteile einer virtuellen Lernumgebung? Steigere ich also das Präsenzerleben und spreche ich möglichst viele Sinneskanäle an? Erst wenn diese Fragen ausreichend geklärt sind, sollte über ein VR-Projekt nachgedacht werden. Denn noch sind Aufwand und Kosten für eine virtuelle Lernumwelt recht hoch.

VR, AR und MR werden DER Zukunftstrend sein – auch in der Qualifizierung von Mitarbeitern. Schon jetzt sind die Möglichkeiten faszinierend. Nachhaltig im Sinne eines effizienten Lernens wird die Entwicklung sein, wenn an der Seite der VR-Auftraggeber Content-Lieferanten stehen, die um die Notwendigkeit wissen, Inhalte didaktisch sinnvoll aufzubereiten. Das gilt in der virtuellen wie in der realen Welt.

Externe Tipps zum Anschauen: Der Kölner Dom: http://dom360.wdr.de, Funktion eines Motors: www.mozaweb.com/de

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