20
Jun
2011

Aber bitte mit xSAN!

„Der Schnitt ist die zweite Geburt des Filmes“, ist eine alte Weisheit der Filmemacher.

Heute nimmt er nicht nur bei Corporate Video einen immer wichtigeren Platz beim Filmemachen ein: Der moderne, computergestützte Schneideraum ist oft Kopierwerk, Überspielservice, Schnitt- und Tonstudio in einem.

Denn wir müssen im Schnitt immer flexibler werden, was die Technik angeht. Konnte man sich früher auf ein Format, nämlich DigiBeta und Betacam SP, einschießen, so tut sich heute ein bunter Strauß an Formaten und Datenträgern auf: XDCAM HD auf Discs und SxS-Karten, MOV-Filme auf CF-Karten, AVCHD und Vieles mehr auf SD-Karten, tragbaren Festplatten und, und, und…

Letztendlich landet alles auf unseren Schnittrechnern. In der Vergangenheit waren diese im Grunde Einzelplatz-Systeme: Je ein Mac-Rechner mit einem Festplatten-Array. Schön groß sollten dieser Plattenspeicher sein, denn wir drehen für unsere Kunden nicht nur viel Material, sondern müssen es auch lange aufbewahren. Hier greift nämlich Murphys Gesetz über Corporate Video: Ein Corporate-Video-Projekt hat niemals „final“ Status!

Zu den langen Standzeiten kommt, dass wir sehr flexibel und rasch auf Änderungswünsche reagieren wollen und müssen. Was aber tun, wenn der Schneideraum („Edit“), auf dem das Projekt liegt, genau dann schon anderweitig verbucht ist?

Bisher verursachte es gehörige Schmerzen, in eine andere Edit zu wechseln. Man war mit den anderen Macs nur über ein Standard-Netzwerkkabel verbunden. Solche Netzwerke sind für alles Mögliche gemacht, aber nicht für zuverlässig laufenden Videoströme. Und wenn der Kollege am anderen Rechner einen Neustart machte, waren die Daten auf einmal weg und das Schnittprogramm stürzte ab.

xsan-coverAbhilfe war also dringend geboten!

In Zusammenarbeit mit unserem Videosystemhaus DVE aus Dornach/München brachte der Osterhase 2011 der BFI die Lösung: xSAN, die Apple-Version eines Storage-Area-Network. Hierbei werden die lokalen Festplatten-Arrays zu einem zentralen Verbund zusammengefasst. Dieser wird dann mit Glasfaserkabeln über einen FiberChannel-Switch mit den Schnittrechnern verbunden.

Für jeden Mac sieht es nun so aus, als hätte er seine eigene lokale Festplatte angeschlossen. Entsprechend schnell ist der Zugriff. Das ist besonders bei HD-Produktionen wichtig, wo große Datenströme unterbrechungsfrei verarbeitet werden müssen.

Damit nun nicht jeder SAN Client, also Schnittrechner, liest und schreibt wie und wann es ihm passt, wacht ein Metadatencontroller (MDC) über die Clients.

So was einzurichten ist schon eine Aufgabe für Experten, die sich am Computer nur in der guten alten Linux-Kommandozeile wohlfühlen. Dass die Mitarbeiter von DVE darin schon viel Erfahrung hatten, beruhigte uns ungemein, denn wir mussten sicher gehen, dass wir nach 1-2 Tagen schon wieder einsatzbereit sein konnten.

Zu einem SAN gehört aber auch ein Backup. Denn es wäre nicht auszudenken, was ein Ausfall des Festplattenverbundes (RAID) bedeuten würde: im schlimmsten Fall den totalen Datenverlust! Bei uns sorgt nun ein Quantum Scalar i80 Bandroboter, gesteuert vom Backup- und Archivprogramm PresStore dafür, dass die Daten sicher sind.

Eine solche Investition ist nicht ganz ohne, denn man muss schon eine gehobene fünfstellige Summe für diese Leistung und Sicherheit in die Hand nehmen. Nachdem aber schon in den Tagen nach der xSAN-Umstellung und Erweiterung terabyteweise Daten von Kundendrehs ankamen, und Cutter, Producer und Redakteure wie selbstverständlich von einer Edit in die andere wechselten, war uns klar, dass sich dieser Aufwand gelohnt hat.