12
Jul
2011

Die Kaffeetasse lebt.

Continuity… Da trinkt doch ein Hauptdarsteller Kaffee im Film – steht im Skript. Er holt sich die Tasse, geht dabei aus dem Bild, kommt mit Kaffeetasse wieder rein. Er setzt sich hin und nimmt ein Schlückchen.

Der Kameramann dreht diese Szene in drei verschiedenen Einstellungen:

KaffeetasseTotale: wir sehen das ganze Zimmer mit Sofa, Tisch und Person. Die Kaffeetasse ist sehr klein zu sehen. Dann springen wir näher an die Situation heran. Nun sehen wir nur noch das Sofa und den Hauptdarsteller, die Kaffeetasse ist gut zu erkennen. Ganz am Schluss drehen wir das ganze Close, heißt, wir sind sehr nah dran, sehen nur noch den Hauptdarsteller bis zur Brust, besagte Kaffeetasse schön groß im Bild.

Auf vieles wurde geachtet, wie z.B. warmes Licht. Die Szene spielt angeblich um 16 Uhr, dabei drehten wir um 10 Uhr morgens. Keiner der Filmcrewmitglieder warf Schatten trotz der vielen Scheinwerfer. Der Original-Ton war auch gut und die Mimik des Darstellers in allen drei Einstellungen ähnlich passend.

Und doch stolperten wir dann über die wichtigen Kleinigkeiten am Set, die aber auch einen Film prägen. Da war doch noch was? Die Kaffeetasse mutierte plötzlich zur Hauptrolle:

  • Hatte der Darsteller sie immer in der linken Hand?
  • War der Henkel im Bild rechts oder links?
  • Wo lag der Kaffeelöffel?
  • Hatte der Darsteller etwa umgerührt?

Diese Fragen konnte ich nach der Sichtung des Materials beantworten und in der Tat musste die eine oder andere nahe Einstellung wiederholt werden.

Aber wie gesagt, die Continuity ist ein undankbarer, nachtragender Zeitgenosse und der Beruf des Skriptgirls findet gerade bei größeren Filmproduktionen seine Sinnhaftigkeit – aber selten ist bei unseren Corporate Video Drehs diese Funktion auch vertreten, denn Hollywood ist weit weg.