15
Sep
2011

Auf der IBC im Dienst der BFI

ibcEinmal jährlich trifft sich in Amsterdam die Gemeinde der vorwiegend europäischen Fernseh-, Video- und Ton-Kreativen, bevorzugt Menschen mit technischem Hintergrund. Allgemeine Messethemen drehten sich 2011 stark um Schlagworte wie „second screen“ und natürlich Dauerbrenner wie Stereo-3D. Auch Neuheiten im Audiobereich oder Compositing machen lautstark auf sich aufmerksam.

Für die Bavaria Film Interactive (BFI) ging es diesmal vor allem darum, den aktuellen Trend im Schnittbereich zu erschnüffeln. Doch „Genosse Trend“ zeigt sich etwas unentschlossen.

Die gesamte Postproduktion der BFI basiert auf Final Cut Studio von Apple. Nach dem Erscheinen der aktuellen Version FCP X stehen viele Benutzer von Final Cut Pro 7 nun vor der Wahl: bei FCP 7 bleiben oder zu Avid, Adobe Premiere oder FCP X wechseln.

Das Internet und die einschlägigen Foren sind voll mit mehr oder weniger gut gemeinten Ratschlägen, doch letztendlich muss jeder User für sich die beste Lösung finden.

Für Firmen, die keine Einzelpersonen sind, ist es gar nicht so leicht, FCP X überhaupt zu kaufen. Denn die Anwendung kann nur als Einzellizenz über den App-Store von Apple gekauft werden, was wiederum nur mit einer Kreditkarte möglich ist. Fünf Kreditkarten für fünf Lizenzen besorgen? Das macht wahrscheinlich keiner. Diese und viele andere Eigenheiten von FCP X zeigen den meisten Profi-Usern, dass Apple mit FCP X nicht in erster Linie auf gewerbliche Anwender zielt.

Bleiben also Premiere von Adobe und der Platzhirsch Avid Mediacomposer. Bei beiden hat uns die IBC zwar leider keine neuen Versionen beschert, doch merkt man deutlich, dass beide Hersteller bemüht sind, die orientierungssuchenden, FCP-gestrandeten Cutter aufzufischen. Das tun sie vor allem über „Crossgrade-Promotions“, die dem FCP7-User einen preisgünstigen Umstieg ermöglichen sollen. Auch Optionen wie das Öffnen der bisherigen FCP-Projekte oder die Übernahme der Tastaturbelegung sollen den Wechsel versüßen.

Rund um diese „Big A’s“ – wie Apple, Adobe und Avid auch genannt werden – bieten kleine Firmen interessante Workflow-Lösungen an, um beispielsweise eine große Investition wie unser SAN zu schützen. Die kleinen Helferlein heißen z.B. „Medialogic“ oder „Flavoursys„, um nur mal zwei zu nennen, denen man außerhalb einer solchen Veranstaltung eher selten begegnen dürfte.

Das Rennen ist also eröffnet. Es wird spannend sein, welche Lösung sich in Punkto Leistung, Flexibilität und Kosteneffizienz bei der BFI durchsetzen wird. Aber das Gute dabei ist, dass wir auf absehbare Zeit mit dem bestehenden System arbeiten können. Es gibt also keinen Grund für vorschnelle Entscheidungen.

Einen Effekt aber hat man nach drei Tagen IBC immer: den totalen Information Overload. Und es dürfte sicher mehr als eine Woche dauern, ehe man alles Prospektmaterial, Demo-DVDs und all die Visitenkarten verarbeitet und bewertet hat.