06
Okt
2011

Hast Du Töne?

Ton ist das Stiefkind am Drehort. Ärger im Schnitt liegt meist am Ton. Interviews sind brachial heruntergepegelt und klingen dumpf, Mikrofone sind falsch ausgerichtet und zeichnen mehr Umgebungsgeräusche auf als notwendig, elektrische Knickser sind auf der Tonspur und einmal stellte der Assistent gleich klar: „Scheiß Ton.“

XLR-connectorsKein Wunder, denn wer als Kameraassistent Ton aufzeichnet, ist so schlecht bezahlt, dass er schleunigst Kameramann werden will. In den herkömmlichen EB-Teams trifft man meist junge, wenig erfahrene Assistenten, die den Ton fast nie mit großem Engagement aufzeichnen. Treffe ich am Drehort einen alten Hasen mit Kopfhörer, entspanne ich mich gleich, denn ich weiß, heute bist Du in guten Händen. Die schleichende Erosion der Honorare für Kamerateams hat die Tonaufzeichnung entprofessionalisiert.

Dass es anders geht, kann man bei Auslandsdrehs in den USA erleben. Der Kameraassistent ist hier Sound Engineer und geht einem ehrbaren Beruf nach, der angemessen bezahlt wird. Folglich sind es regelmäßig Seniors mit viel Berufserfahrung.

Auch Deutschland hat gestandene Tonmeister. Man muss sie nur engagieren. Neulich durfte ich mit einem besonders leidenschaftlichen Vertreter dieser Gattung arbeiten: Markus Dobler. Erst war ich erfreut, nicht die üblichen plumpen Ansteckmikros zu sehen, sondern zarte, unauffällige. Dann verriet er, dass er die Eingangsempfindlichkeit dieser Mikros verändert habe. Auch den Frequenzbereich seiner Funkstrecken habe er vergrößern lassen, damit der Ton voller und die Bässe satter klingen. Obwohl mich ein schlechtes Gehör plagt, erstarrte ich vor Ehrfurcht. In Zukunft werden Angebote, die ich für Kunden schreibe, regelmäßig einen Tonmeister enthalten.


Zum Vergleich haben wir von Markus Dobler zwei eigens erstellte Atmo-Tonaufnahmen von seiner Terasse erhalten. Ein günstiges Mikro und eins der Referenzklasse haben gleichzeitig Wind, fallende Blätter, Baustellenlärm, Stimmgewirr und Hubschrauber aufgezeichnet in 24 Bit, 48 kHz. Die zwei einzigen Bearbeitungsschritte: Basscut bei 200 Hz und ein MP3-Encoding mit 320 kbit/s.

Mono EB-Ton
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Stereo Filmton
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Während der EB-Ton blechern klingt und zudem verrauscht ist, kann man bei der Filmtonaufnahme wesentlich mehr Details heraushören, der Sound kommt satt und natürlich und die verschiedenen Schallquellen sind ortbar.