06
Jun
2014

Praktikanten ohne Mindestlohn? Produzentenallianz auf dem Holzweg!

Die künftige Vergütung für Praktikanten in der Filmbranche bewegt derzeit die Gemüter. Mit Vorlage des Gesetzesentwurfs über einen gesetzlichen Mindestlohn hat die Bundesregierung die Produzentenallianz auf den Plan gerufen. Diese repräsentiert mit über 210 Mitglieder die wichtigsten deutschen Produktionsunternehmen und ist damit de facto der maßgebliche deutsche Produzentenverband.

Praktikanten_im_Bild

Der Vorsitzende des Produzentenallianz-Gesamtvorstand, Alexander Thies, verlangt in der Pressemitteilung vom 20.Mai eine Sonderregelung: „Filmwirtschaft braucht für Praktikanten Ausnahmen vom Mindestlohn“ und legt am 23.Mai nochmal nach, in dem er den Niedergang der Branche prophezeit, sollte die geforderte Ausnahme nicht gewährt werden.

Aus meiner Sicht ist die Forderung, Vorgehensweise und Argumentation des Verbandes problematisch. Zugegeben, Praktikanten würden nach der Einführung des Mindestlohns teurer, würden sie doch bei einem Vollzeitpraktikum mit rund 1.450,- EUR vergütet.

Meiner Meinung nach vergibt sich die Produzentenallianz jedoch mit ihrer Kritik am Mindestlohn die Chance, die eigene Forderung nach angemessenen Budgets für Film- und Fernsehproduktionen durchzusetzen. Die Mittel hierfür stammen in Deutschland zu einem großen Teil aus Fördertöpfen oder öffentlich erhobene Gebühren. Denn nicht zuletzt die stetige Budgetverknappung bei den Senderaufträgen ist ja der Grund dafür, dass prekäre (Praktikanten- & Trainee-) Beschäftigungsverhältnisse zu einem dauerhaft eingesetzten Berufsstand erhoben werden müssen!

Persönlich würde ich es begrüßen, wenn unsere Interessenvertretung anstatt den Mindestlohn zu verteufeln die Nahles’sche Steilvorlage nutzte, um nun mit Nachdruck von den Sendern angemessene Budgets zu fordern.

Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum der Mindestlohn gut zu heißen ist: Er wird es jenen Marktbegleitern schwerer machen, deren Geschäftsmodell darauf basiert, unterbezahlte Praktikanten auszubeuten. Daß sich so mancher Agenturchef über den “Irrsinnigen” Gesetzesentwurf beschwert, ist bei der Praktikantendichte in der Branche ein naheliegender Reflex.

Der Aufruf der AG DOK (s.u.) fasst alles gut zusammen: Wir sollten gemeinsam für Kalkulationsrealismus, faire Vertragsbedingungen und Terms of Trade kämpfen. Darum geht es – und nicht um einen gesetzlichen Freibrief zur Ausbeutung junger Talente!